Das Bild der Schweiz als Stadt greift zu kurz

Podium Swissbau 2016: «Focus 10-Millionen-Schweiz – Neue Chancen oder Dichtestress?»

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Gemäss dem Bundesamt für Statistik leben in 30 Jahren über 10 Millionen Menschen hier. Die Schweiz, wie wir sie heute kennen, wird sich verändern.

Im Swissbau 2016 Focus: «10-Millionen-Schweiz – Neue Chancen oder Dichtestress?» werden folgende Fragen diskutiert: Wie sieht die Schweiz der Zukunft aus? Werden uns technische Lösungen dabei helfen, begrenzte Räume und Ressourcen zu teilen? Und wie wird sich unser Zusammenleben verändern?

Ich vertrete auf dem Podium folgende Thesen: 

– Landschaft ist ein Abbild unseres Konsumierens, Produzierens, unserer Mobilität. Das Bild der Schweiz als Stadt greift zu kurz.

– Für die 10 Milllionen-Schweiz ist in erster Linie die Agglomeration, und erst im zweiten Rang die Stadt, von Bedeutung

– Gemäss der WSL wollen die meisten Einwohner: „Überschabaure Siedlung, schnell im Grünen, eine gute Verkehrsanbindung“: Das ist die Beschreibung unserer Agglomerationen.

– „Experten“ haben eine ungleich stärkere Vorliebe für die Stadt als die Bevölkerung. Daher: Raumentwicklung der 10-Mio. CH darf nicht von der Stadt her denken.

Emanzipation der Agglomeration heisst: Ihre Qualitäten verstehen, benennen, und hinsichtlich Kostenwahrheit und Ressourceneffizienz weiterentwickeln

– Um die Zersiedlung zu stoppen braucht es neben der regulatorischen Seite (griffige Raumplanung, Beseitigung von Fehlanreizen in Wohnungsmarkt und Mobilität/Steuerkonkurrenz ) die politische, diskursive und kreative Seite:öffentlich und kontrovers diskutierte, qualitative Zukunftsbilder

Dicht allein ist keine Tugend. Daher Vorsicht beim Nachverdichten: Jede Dichte kann Qualität und Atmosphäre aufweisen – oder vermissen lassen. Die Schwierigsten Dichte (in Bezug auf Identifikation und Atmosphäre) sind ausgerechnet jene mittleren Dichten, die wir am häufigsten Bauen. Innenentwicklung könnte dieses Problem noch verschäfren (Lektüre dazu: Dichte Atmosphäre von Tröger/Eberle)

Raumentwicklung geht uns alle an. Die Raumplanung muss vom bürokratischen „Mief“ befreit und geöffnet werden.

– Schweizer Wettbewerbskultur (Architekturwettbewerbe) müssen für die Regional-, Infrastruktur- und Entwicklungsplanung mobilisiert werden.Kollektive Intelligenz muss ins System der Raumentwicklung geführt werden.

Daheim bleiben und selbstbestimmt leben, solange es geht, ist für viele Senioren die beste Alternative zu Heim und Residenz. Interview mit joris Van Wezemael in der NZZ am Sonntag

Kaum eine Altersgruppe verändert sich derzeit so dynamisch wie jene der älteren Menschen. Dies schlägt sich in ihrer Wohnwirklichkeit und in ihren Wünschen nieder. Während das Altersheim zu einem Negativ-Bild des Alterswohnens mutiert, verlieren Spezialwohnformen wie die Residenz an Anziehungskraft, und Alten-WGs werden eine Nische bleiben. Viele der Babyboomer-Generation wünschen sich keine Ausgliederung, sondern sie möchten so lange wie möglich zu Hause, im angestammten Rahmen, leben.

NZZ am Sonntag

SWISS REAL ESTATE RESEARCH CONGRESS 2015. Congress on real estate and spatial related research

Real estate and spatial development – these are the two issues at the Swiss Real Estate Research Congress 2015. We will present and discuss soundly-based work and profound knowledge on these issues.

We invite you to share your knowledge with a team of experts consisting of professors and analysts. Please find out more on findings and works
from further disciplines and establish networks with different institutes and research departments. We kindly invite you to submit your papers. Within constructive discussions among specialists, we will offer feedback, inputs, follow-up questions and solution approaches as well as facilitate access to the Swiss Real Estate Journal.

Procedure
Please submit your papers at paper@srec.ch until 26th of August 2015. You will be notifi ed on the exact time of your presentation, on the framework, within the discussions will take place and on the program schedule by September 3th, 2015. The invitation to the Swiss Real Estate Congress is organized over the networks of the universities and companies of our sponsorship and is dedicated to all those who are interested in the fi elds of real estates and spatial development.

We look forward to receiving your papers.

Board
PD Dr. Joris Van Wezemael
Prof. John Davidson

Prof. Roland Füss
Prof. Pascal Gantenbein
Prof. Peter Ilg
Prof. Philippe Thalmann
Dr. Stefan Fahrländer
Dr. Peter Staub
MSc. Michael Boeniger
lic.oec.publ. Andreas Loepfe
lic.oec.publ. Marie Seiler

Topics
• Behavioural psychology
• Compression and functionalism of space
• Corporate Real Estate – real estate as a production
unit
• Data, methods, modeling and statistical analysis
• Evaluation of real estates, market and space
• Financial markets, real estate and space
• Infrastructure and spatial development
• Macroeconomic perspective on real estate
and space
• Market regulation and spatial planning
• Political structures and spatial development
• Portfolio, asset and facility management
• Real estate markets: direct and indirect investments,
rental markets, construction market
• Social requirements on real estate and space
• Sustainability and energy
• Spatial planning and master planning
• Urban development/urban economics
• Taxes and legal aspects

Swissbau Focus Blog: Liebe deine Landschaft wie dich selbst – vier Pflichtpunkte für eine zukunftsfähige Raumentwicklung

«Altstadt», «Zwischenstadt» oder «City» – das sind Ausdrücke für Stadtlandschaften, die sich, genauso wie Siedlungslandschaften, historisch und geografisch verändern. Die Geschichte des Städtebaus ist aber nicht mit der tatsächlichen Evolution von Siedlungslandschaften zu verwechseln, da es sich bei Stadtlandschaften um Systeme mit einer technischen, politischen und sozialen Ebene handelt. Ich finde es wichtig, dass dieses Verständnis zur Basis für die Steuerung räumlicher Prozesse wird.

http://www.swissbau.ch/de-CH/ueber-die-swissbau/interaktiv/blog/2015/03/liebe-deine-landschaft-wie-dich-seblst-vier-pflichtpunkte-fuer-eine-zukunftsfaehige-raumentwicklung.aspx

Landliebe im Hochhaus – Dorfleben in der Stadtpolitik

Referat auf Einladung des Bund Schweizer Architekten, Zürich, im Architekturforum Zürich. Gehalten am 22.2.2015

Mit den Befriffen «Stadt» und «Land» ist der Wirklichkeit nicht oder nicht mehr beizukommen, weder in der Beschreibung noch in der Analyse. Beide Begriffe sind aufgeladen und beziehen sich genauso auf Raumtypen wie auf Lebensformen, sie sind also immer in Geographie, Form und Gesellschaft zu verorten. Daher ist «Landliebe» facettenreich zu verstehen.

Das Referat befasst sich mit zwei miteinander verwandten Paradoxa:

  • Zum einen geht die Wiedergeburt der Städte zwar mit innerstädtischen Entwicklungsprojekten mit teilweise eindrücklicher baulicher Dichte und der Renaissance von Wohnhochhäusern einher. «Stadt» ist augenfällig. Eine sozialwissenschaftliche Perspektive offenbart indes, dass hochzentrale Wohnorte nur vermeintlich mit urbanem Lebensstil zusammenfallen. Architektur wie auch die visuelle Kommunikation von Projekten verweisen vielmehr auf eine Sehnsucht nach Landschaft, Freiraum. Landliebe im Hochhaus?
  • Zm anderen bedienen sich politische Akteure dies- wie jenseits des Staates auffällig oft an soziologischen Konzepten des Dorflebens zur Lösung von Problemen in Städten und Agglomerationen. Die Förderung vermeintlich verlorengegangener Vergemeinschaftungsebenen setzt das «gute Dorf» der «schlechten Stadt» mit ihrem «Dichtestress» entgegen. Sie erfolgt in unbewusst nostalgischer Weise und vermengt Solidaritätsapelle mit vulgär-neoliberaler Finanzpolitik.

Die Landliebe im Hochhaus und das Dorfleben in der Stadtpolitik? Die Auseinandersetzung mit der «Landliebe» zwingt uns zur Überprüfung von Grundkonzepten der Raumentwicklung und weist darauf hin, dass nicht ein neues, allumfassendes (Sprach)Konzept aus der von vielen als Identitätsverlust begriffenen Überlebtheit von «Stadt versus Land» führt. Vielmehr beschreibt deren Vermengung unsere spätmoderne Wirklichkeit. Dies zu akzeptieren, deren Schönheiten und produktive Spannungen sehen zu wollen, bildet den ersten Baustein zu einer besseren Partizipation von Architektinnen, Politikern oder Investoren an der bestehenden Umwelt.

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