Gesucht: Der Anwalt des öffentlichen Raums Weshalb die Agglomerationen Schlafstädte bleiben – ein Architekt und ein Raumbeobachter streiten über Strategien und Konzepte

vanwezemael_lampugnanivon Dorothee Vögeli, NZZ vom Samstag, 25. Februar 2017

Optisch geht die Stadt Zürich bruchlos in die Agglomeration über. Doch dem Umland fehlt die städtische Atmosphäre. Woran das liegt, diskutieren der Wirtschaftsgeograf Joris Van Wezemael und der Architekt Vittorio Magnago Lampugnani.

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Assemblage Thinking in Planning Theory

Forthcoming. In:

The Routledge Handbook of Planning Theory, Ed. by Michael Gunder, Ali Madanipour, Vanessa Watson

https://www.amazon.de/Routledge-Handbook-Planning-Theory/dp/1138905011

Van Wezemael. Abstract: In his analytical reading of the work of Gilles Deleuze and Félix Guattari Manuel DeLanda established explicit connections between their philosophical work and complexity thinking. Recently, DeLanda’s «Assemblage Theory» has been drawn upon in planning theory in order to reconceptualize decision-making (e.g. in urban governance), but also to clarify the role of materiality and technology in spatial planning theory. Assemblage theory demonstrates how a collection of diverse elements may come together in «exterior relations» to constitute a temporary selective coding and territorialisation of elements. By bringing together Deleuzes philosophical concept with terms such as «emergence» or «non-linearity», assemblage theory proves to be especially productive to analyse, map, but also modulate superimposed and intertwined fields, to conceptualise this for planning theory, and to experiment with a wide range of concepts on an assemblage-based ontology.

Emergent Places

Book chapter in: Actor Networks of Planning (Rydin, Tate, 2016, Routledge, Oxon & New York)

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Van Wezemael / Silberberger. In many places across Europe people and governments commit to a cutting down of the use of (cultivated) land. The transformation, however, calls for interventions into the urban texture, into existing neighbourhoods, social relations and existing policy routines, and it usually involves assets of private owners or investors. The chapter explores the fuzzy zone between real estate and neighbourhood development. It elaborates on some crucial (as well as very practical) differences between ANT traditions and (more open) Deleuzian thinking such as assemblage theory. It does so by drawing on a current redevelopment project in the airport region of Zurich, Switzerland. This case study shows that developing urban areas towards more living quality, spatial justice and environmental sustainability largely depends on the coupling of usually (carefully) separated fields such as economy, policies, town planning, politics, infrastructure, or architecture. Mobilizing ANT concepts as well as ideas from complexity thinking, we trace and map out a rhizomatic process of urban development with its surprising turns and open outcome.

Das Bild der Schweiz als Stadt greift zu kurz

Podium Swissbau 2016: «Focus 10-Millionen-Schweiz – Neue Chancen oder Dichtestress?»

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Gemäss dem Bundesamt für Statistik leben in 30 Jahren über 10 Millionen Menschen hier. Die Schweiz, wie wir sie heute kennen, wird sich verändern.

Im Swissbau 2016 Focus: «10-Millionen-Schweiz – Neue Chancen oder Dichtestress?» werden folgende Fragen diskutiert: Wie sieht die Schweiz der Zukunft aus? Werden uns technische Lösungen dabei helfen, begrenzte Räume und Ressourcen zu teilen? Und wie wird sich unser Zusammenleben verändern?

Ich vertrete auf dem Podium folgende Thesen: 

– Landschaft ist ein Abbild unseres Konsumierens, Produzierens, unserer Mobilität. Das Bild der Schweiz als Stadt greift zu kurz.

– Für die 10 Milllionen-Schweiz ist in erster Linie die Agglomeration, und erst im zweiten Rang die Stadt, von Bedeutung

– Gemäss der WSL wollen die meisten Einwohner: „Überschabaure Siedlung, schnell im Grünen, eine gute Verkehrsanbindung“: Das ist die Beschreibung unserer Agglomerationen.

– „Experten“ haben eine ungleich stärkere Vorliebe für die Stadt als die Bevölkerung. Daher: Raumentwicklung der 10-Mio. CH darf nicht von der Stadt her denken.

Emanzipation der Agglomeration heisst: Ihre Qualitäten verstehen, benennen, und hinsichtlich Kostenwahrheit und Ressourceneffizienz weiterentwickeln

– Um die Zersiedlung zu stoppen braucht es neben der regulatorischen Seite (griffige Raumplanung, Beseitigung von Fehlanreizen in Wohnungsmarkt und Mobilität/Steuerkonkurrenz ) die politische, diskursive und kreative Seite:öffentlich und kontrovers diskutierte, qualitative Zukunftsbilder

Dicht allein ist keine Tugend. Daher Vorsicht beim Nachverdichten: Jede Dichte kann Qualität und Atmosphäre aufweisen – oder vermissen lassen. Die Schwierigsten Dichte (in Bezug auf Identifikation und Atmosphäre) sind ausgerechnet jene mittleren Dichten, die wir am häufigsten Bauen. Innenentwicklung könnte dieses Problem noch verschäfren (Lektüre dazu: Dichte Atmosphäre von Tröger/Eberle)

Raumentwicklung geht uns alle an. Die Raumplanung muss vom bürokratischen „Mief“ befreit und geöffnet werden.

– Schweizer Wettbewerbskultur (Architekturwettbewerbe) muss für die Regional-, Infrastruktur- und Entwicklungsplanung mobilisiert werden.Kollektive Intelligenz muss ins System der Raumentwicklung geführt werden.

Daheim bleiben und selbstbestimmt leben, solange es geht, ist für viele Senioren die beste Alternative zu Heim und Residenz. Interview mit joris Van Wezemael in der NZZ am Sonntag

Kaum eine Altersgruppe verändert sich derzeit so dynamisch wie jene der älteren Menschen. Dies schlägt sich in ihrer Wohnwirklichkeit und in ihren Wünschen nieder. Während das Altersheim zu einem Negativ-Bild des Alterswohnens mutiert, verlieren Spezialwohnformen wie die Residenz an Anziehungskraft, und Alten-WGs werden eine Nische bleiben. Viele der Babyboomer-Generation wünschen sich keine Ausgliederung, sondern sie möchten so lange wie möglich zu Hause, im angestammten Rahmen, leben.

NZZ am Sonntag