Landliebe im Hochhaus – Dorfleben in der Stadtpolitik

DownloadReferat auf Einladung des Bund Schweizer Architekten, Zürich, im Architekturforum Zürich. Gehalten am 22.2.2015

Mit den Befriffen «Stadt» und «Land» ist der Wirklichkeit nicht oder nicht mehr beizukommen, weder in der Beschreibung noch in der Analyse. Beide Begriffe sind aufgeladen und beziehen sich genauso auf Raumtypen wie auf Lebensformen, sie sind also immer in Geographie, Form und Gesellschaft zu verorten. Daher ist «Landliebe» facettenreich zu verstehen.

Das Referat befasst sich mit zwei miteinander verwandten Paradoxa:

  • Zum einen geht die Wiedergeburt der Städte zwar mit innerstädtischen Entwicklungsprojekten mit teilweise eindrücklicher baulicher Dichte und der Renaissance von Wohnhochhäusern einher. «Stadt» ist augenfällig. Eine sozialwissenschaftliche Perspektive offenbart indes, dass hochzentrale Wohnorte nur vermeintlich mit urbanem Lebensstil zusammenfallen. Architektur wie auch die visuelle Kommunikation von Projekten verweisen vielmehr auf eine Sehnsucht nach Landschaft, Freiraum. Landliebe im Hochhaus?
  • Zm anderen bedienen sich politische Akteure dies- wie jenseits des Staates auffällig oft an soziologischen Konzepten des Dorflebens zur Lösung von Problemen in Städten und Agglomerationen. Die Förderung vermeintlich verlorengegangener Vergemeinschaftungsebenen setzt das «gute Dorf» der «schlechten Stadt» mit ihrem «Dichtestress» entgegen. Sie erfolgt in unbewusst nostalgischer Weise und vermengt Solidaritätsapelle mit vulgär-neoliberaler Finanzpolitik.

Die Landliebe im Hochhaus und das Dorfleben in der Stadtpolitik? Die Auseinandersetzung mit der «Landliebe» zwingt uns zur Überprüfung von Grundkonzepten der Raumentwicklung und weist darauf hin, dass nicht ein neues, allumfassendes (Sprach)Konzept aus der von vielen als Identitätsverlust begriffenen Überlebtheit von «Stadt versus Land» führt. Vielmehr beschreibt deren Vermengung unsere spätmoderne Wirklichkeit. Dies zu akzeptieren, deren Schönheiten und produktive Spannungen sehen zu wollen, bildet den ersten Baustein zu einer besseren Partizipation von Architektinnen, Politikern oder Investoren an der bestehenden Umwelt.

15_Ref_ArchFor_Zuerich_JVW

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s